Erzählungen


Ein Reisender in Sachen Umsturz

Erzählungen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M., 1972

Geschichten, wie die Angst sie schreibt. Erzählungen, die mit der schlimmstmöglichen Wendung enden. Mit Chaos, Irrealität, Dämonie, Tod, Irrsinn.

Durch geringfügige Abweichungen vom Gewohnten ergeben sich gefahrvolle Situationen. Überschaubare Beziehungen verwandeln sich in ein Gestrüpp von Abhängigkeiten. Landschaften werden zu Drohungen. Gesichter zu Fratzen. Mitunter auch zu traumhaft schönen.

Gelassen, aber präzis, werden unscheinbare Situationen beschrieben, in denen sich Personen durch Krankheit, durch einen verlassenen Ort oder durch einen einsamen Weg etwas ausserhalb der alltäglichen Vertrautheit bewegen. Diese minimale Abweichung genügt, und das Gewohnte wird bedrohlich, gefahrvoll. Selbst realistische Details wirken nun wie Elemente eines surrealen Arrangements.

Inhalt: Dünnerwerdende Äste – Inselgeschichte – Hauptgebäude des ehemaligen Klosters St. Katharinenthal – GEMD-SCHULH 1834 – Der oberste Tag – Neuyork – Ein Reisender in Sachen Umsturz.

» Stimmen und Leseprobe» Dieses Buch kaufen

Stimmen

„Einer im Kommen.“
Werner Weber, Neue Zürcher Zeitung

„Dieser Ton, diese Schärfe, diese Unbedingtheit – das ist ein Buch, das auf irritierende Weise aus dem Rahmen fällt. Sicher ist das die literarischste, die artifiziellste Prosa, die ein Schweizer seit langem geschrieben hat. Nach den ersten paar Zeilen fällt einem Kafka ein - aber gibt es das: Kafka im Emmental?“
Dieter Bachmann, Die Weltwoche

„Dass sie uns zu fesseln vermögen, liegt an der rigorosen, so imponierenden wie irritierenden Erzählweise.“
Tages-Anzeiger Zürich

Leseprobe

Gegen Viertel vor elf hatte er bemerkt, dass sich nicht mehr nur der Italiener, sondern auch der Wirt selber hinter dem Ausschanktisch befunden und die Getränke bereitzustellen geholfen hatte, jedoch nicht wie sonst bereits angeheitert gewesen war, sondern auffallend frisch und gelöst gewirkt hatte.
Kurz darauf hatte der Gast, der zwischen seinem Freund und dem Ausschanktisch gesessen war, versehentlich sein noch fast volles Glas Wein umgeworfen, sich jedoch weder um den Wein auf der Tischplatte noch um jenen auf seinem Anzug besonders gekümmert, sondern sich an den Wirt dieses, wie er gesagt hatte, Teesalons gewandt und ihn gefragt, was es bei ihnen (was entweder die übliche Höflichkeitsform oder als die Anrede für den Wirt und dessen in der Bedienung aushelfende Frau hätte ausgelegt werden können) gebe, wenn Gäste ihren Wein ausleerten, ob ihnen dieser nicht ersetzt werde, worauf der Wirt geantwortet hatte, dass dies nicht der Fall sei, dann gebe es im Gegenteil Schläge, sie (womit er in der gleich zweideutigen Art wie der Gast entweder seine Frau und sich oder die Wirtsleute überhaupt hätte gemeint haben können) wüssten, was sie ihren Gästen schuldig seien.


Eine entfernte Ähnlichkeit

Erzählungen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M., 1975

Drei Erzählungen, in denen sich augenfällige Ähnlichkeiten beim näheren Betrachten nur noch als entfernte erweisen.

In der Titelgeschichte geht es um den Insassen eines Alters- und Pflegeheims, der dem Erzähler von seinem Leben und seiner Krankheit berichtet und der diesen – nicht nur wegen seiner nuancenreichen Ausdrucksweise – unwillkürlich an einen anderen, berühmteren Heil- und Pflegeanstaltsinsassen erinnert: an den Schweizer Schriftsteller Robert Walser.

In „Die Erhebung der Romanfiguren“ lässt eine militärgerichtliche Untersuchung die Kluft zwischen Abbild und Wirklichkeit erscheinen. Einerseits anhand von Personen, die sich von ihren Abbildern in einer Romanhandlung distanzieren. Und andererseits anhand eines jungen Schriftstellers und Romanautors, der sich dem Bild, das von ihm gemacht wird, zu entziehen versucht.

In „Gross-Papa ist wieder da“ geht es um das, was ein Erzähler von seinen Vorfahren, Kleinbauern, Fabrik- und Bahnarbeitern, in Erfahrung bringen kann, und um die Beziehungen, die er zu seinen Grosseltern väterlicherseits hatte, deren Leben ihm, in der Zeit, während der er sie kannte, so friedlich wie das von Philemon und Baucis gewesen zu sein scheint.

» Stimmen und Leseprobe» Dieses Buch kaufen

Stimmen

„Wohltuende Sturheit: für die neue Transparenz von Meyers Sprache und Stil eine erhellende Formel. Die Friedlichkeit, die von ihr ausgeht, verdeckt eine Bedrohung und eine Trauer, die sich leise und ohne Aufwand, aber unnachgiebig durchsetzen.“
Heinz F. Schafroth, Die Weltwoche

„Damit die Ähnlichkeit mit Walser in bezug auf die Flucht aus der Welt ins Schweigen nicht näher komme, braucht E. Y. Meyer seine Leser – und nicht nur deshalb.“
Luzerner Neuste Nachrichten

„ Es spricht für die Qualität von E. Y. Meyers Erzählweise, dass sie nicht leicht in ein beliebiges Cliché einzuordnen ist. Sie ist verschnörkelt, weil genau, und gegenwartsbezogen, weil sie ihre Impulse aus der Vergangenheit nimmt..“
Joseph Bättig, Vaterland Luzern

Leseprobe

Eine Begebenheit, die sich im Frühjahr des darauffolgende Jahres abgespielt hatte, war der Grund dafür gewesen, dass man das ehemalige Kloster oder – wie man nun wohl würde sagen müssen – das Alters- und Pflegeheim noch ein zweites Mal aufgesucht hatte.
An einem schulfreien Nachmittag im März oder April, jedenfalls vor Ostern, also auch vor den Frühlingsferien und somit wohl eher im März, hatte man seine Schwester an ihrem Arbeitsplatz, dem Medizinisch-Chemischen-Institut der Universität abgeholt, um mit ihr die im Bezirksspital liegende Mutter zu besuchen.
Es war schon ein recht warmer Frühlingstag gewesen, und man war übereingekommen, diese Strecke zu nehmen und erst unterwegs, in einem der an der Strasse liegenden Gasthäuser, einem Landgasthof, etwas zu essen, um erst dann, gegen drei Uhr, wenn die Mutter nach dem Essen eine Zeit lang geschlafen hätte, direkt ins Spital zu fahren und nicht noch zuerst das leere Elternhaus aufzusuchen und dort eine Mahlzeit zuzubereiten.
Der dem Alters- und Pflegeheim auf der anderen Strassenseite gegenüberliegende „Hirschen“, den man zuerst hatte aufsuchen wollen – was für beide das erste Mal gewesen wäre –, war geschlossen gewesen, so dass man erst kurz nach den Zweien im übernächsten Dorf im „Schützen“ eingekehrt war und – da die Küche schon geschlossen und der Koch schon weg gewesen war – nur noch etwas Kaltes, einen gemischten Salat, Bauernwurst und Milch, ein Restbrot und Bier hatte bekommen können.
Und während des Wartens auf das Essen hatte einer der sonst noch anwesenden Gäste – ein kleiner, alter Mann in bäuerlicher Kleidung mit kurzgeschnittenen weissen Haaren, der allein an einem runden Tisch in der Mitte der Gaststube vor einem Dreier Roten sass -, nachdem er einen Schluck Wein genommen hatte, zuerst zu sich und zu der Serviertochter und dann nur noch zu sich, aber so laut, dass es in der ganzen Gaststube hatte gehört werden können – also auch an dem Tisch, an dem die Serviertochter und eine weitere Frau, wahrscheinlich die Wirtin und Schwester der Serviertochter, sassen – zu sprechen begonnen.


Wintergeschichten

Erzählungen, Ammann Verlag, Zürich, 1995

Schwarze, bitterböse Gespenstergeschichten, die so fremd erscheinen wie die Gedanken des Sitznachbarn im Zug oder so nah wie das Reisebüro um die Ecke.

Geöffnet und geschlossen wird dieses Buch durch eine lange Rahmenerzählung von einem, der in Sibirien das Land der Toten sucht, und, zurückgekehrt in seine Stadt, die atomare Vereisung erlebt.

Hiermit ist die Doppelbödigkeit der Gruselgeschichten in einer Parabel gefangen. Letztes Bild eines Reigens, in dem der Autor den Stand der Dinge aus dem Lauf der Zeit herauspräpariert. Eine Metaphysik unserer Gegenwart in Standbildern.

Warnungen aus dem mythischen Resonanzraum des Winters.

Inhalt: Eine Reise nach Sibirien - Die Warnung - Bergfahrt - Die Rückführung - Eismeer - Der Anhalter - Die Mondstadt

» Stimmen und Leseprobe » Dieses Buch kaufen

Stimmen

„Starke, einprägsame Bilder und Szenen. Da wird nicht mehr philosophiert, sondern schlicht und einfach erzählt.“
Charles Linsmayer, Der Bund

„Alltagsminiaturen mit fatalem Ausgang. Rechtschaffenes Personal am Rande der Ordnung.“
Tages-Anzeiger Zürich

„Letztlich geht es Meyer um die Eindämmung einer grassierenden Fortschrittsgläubigkeit, deren funktionaler Rationalismus sich in der zunehmend vernetzten Mediengesellschaft absolut setzt. Dagegen bietet der Autor ein phantastisches Konglomerat des Unerklärlichen auf.“
Neue Zürcher Zeitung

Leseprobe

Als der Alte und er dieses Haus, das eher eine Hütte war, erreicht hatten, wurde sofort die einzige sichtbare Tür geöffnet, und sie traten ein.
Erschrocken glaubte er zuerst, dass er durch den langen Aufenthalt in der weissen Helligkeit erblindet sei – bis in der Dunkelheit um ihn herum nach und nach überall hellere Flecken aufzutauchen begannen.
Und dann, nachdem seine Augen sich an den schnellen Lichtwechsel gewöhnt hatten, sah er, dass ihm aus dem rauchigen Innern des Hauses, das nur aus einem einzigen grossen Raum bestand, von allen Seiten her Gesichter entgegenblickten – dass überall Männer, Frauen und Kinder sassen, die in Felle und in dicke Stoff- und Wollsachen gehüllt waren, während sich auf dem Fussboden Hunde der verschiedensten Grössen und Rassen tummelten.
Vor den Fenstern des dunklen und warmen Raums hingen grosse Säcke, und von den Deckenbalken baumelten mehrere russende, nur wenig Licht verbreitende Petroleumlampen herab.
In einer Ecke stand ein Herd mit grossen Töpfen, aus denen Dampf aufstieg – eine andere Ecke wurde von einem mächtigen Lehmofen eingenommen, auf dessen Stufen dicht aneinandergedrängt bis zur Decke hinauf pfeifenrauchende alte Männer mit verwitterten Gesichtern und zum Teil riesigen Bärten sassen, deren Augen, wie die aller Menschen, die sich hier aufhielten, mandelförmig in die Länge gezogen waren.


Eine entfernte Ähnlichkeit

Eine Robert-Walser-Erzählung, Folio Verlag, Wien/Bozen, 2006

Neuausgabe der Titelgeschichte des 1975 im Suhrkamp Verlag erschienenen gleichnamigen Erzählbandes zum 50. Todesjahr von Robert Walser

„Das Leben des Tagelöhners Loser als eine Erinnerung an Robert Walser – ein meisterliches Vexierbild von E. Y. Meyer.“

Im Wirtshaus eines Schweizer Dorfes wird der Erzähler Zeuge des Selbstgesprächs eines verschrobenen und angeheiterten Alten, der von Wein, Litern getrunkenen Blutes und von Nierenleiden berichtet.

Tage und Wochen danach noch beschäftigt jener Mann den Erzähler und erinnert ihn an einen anderen, an den 71-jährigen Schriftsteller und Anstaltsinsassen Robert Walser auf einer historischen Fotografie. So beginnt er den alten Mann zu suchen und findet ihn im nahe gelegenen ehemaligen Kloster, das jetzt Pflegeheim ist.

Loser, so sein Name, wird dem Erzähler zur Projektionsfläche für die Erinnerung an die Spaziergänge und Gespräche Carl Seeligs mit Walser – und doch auch wieder nicht, denn Loser behauptet sich mit seinen Geschichten von Hilfs- und Gelegenheitsarbeiten.

Noch einmal greift E. Y. Meyer diese Geschichte einer Ähnlichkeit auf und erweist sich als Meister der feinen Beobachtung und der präzisen Beschreibung. Zwei Essays über Robert Walser begleiten die Erzählung.

» Leseprobe » Dieses Buch kaufen

Leseprobe

Während des Wartens auf das Essen hatte einer der sonst noch anwesenden Gäste, ein kleiner, alter Mann in bäuerlicher Kleidung mit kurzgeschnittenen weissen Haaren, der allein an einem runden Tisch in der Mitte der Gaststube vor einem Dreier Roten sass, nachdem er einen Schluck Wein genommen hatte, zuerst zu sich und zu der Serviertochter und dann nur noch zu sich, aber so laut, dass es in der ganzen Gaststube hatte gehört werden können, also auch an dem Tisch, an dem die Serviertochter und eine weitere Frau, wahrscheinlich die Wirtin und Schwester der Serviertochter sassen, zu sprechen begonnen.

Das gebe Kraft! Sie solle ihm gerade noch einen bringen. Ja, vom gleichen. Algerier!
Was? Kein Algerier?
Was denn das für einer gewesen sei?
So. Magdalener. Also gut. Dann solle sie ihm halt wieder von dem bringen.
Aber warum sie denn hier keinen Algerier hätten? Der koste wahrscheinlich einen Batzen oder zwei weniger. Deswegen würden sie keinen haben.
Das seien doch immer die gleichen Herrgottsdonner. Diese Wirtsleute. Und alles nur wegen einem Batzen oder zwei. Herrje!
Aber eine Kraft gebe einem dieser Wein. Das würden sie nicht glauben.
Er würde heute noch ein halbes Kalb oder eine halbe Sau herumtragen können. Wenn die Sache mit dem Rücken nicht wäre. Das würde ihm nichts zu tun geben.
Nur eben. Das sei nicht mehr wie früher.
Früher, da habe er eine Zeitlang jeden Tag einen halben Liter Blut getrunken. Kälberblut. Das habe eine Kraft gegeben. Potz!
Da habe er eine Kraft gehabt. Er hätte ein Eisen krümmen können. So eine Kraft habe er gehabt.
Aber alles nur wegen dem Kälberblut. Kälberblut!
Am Morgen, wenn sie dagehangen seien, schnell mit dem Messer hineingestochen. Und wenn es herausgespritzt sei, den Mund hingehalten, solange es noch warm gewesen sei. Das habe eine Kraft gegeben.
Die Störenmetzger, die hätten es manchmal noch von der Sau gesoffen. Zack. Mit dem Hammer eins ins Genick. Dann aufgehängt, hineingestochen und gesoffen.
Einmal hätten sie einen Eber gebracht. In Langnau. Ins Schlachthaus. Fünf Zentner schwer. Sie hätten gemeint, es sei eine Kuh.
Ist das eine Kuh? Ist das ein Rind? hätten sie gefragt.
Zwei fünfunddreissig mit dem Schwanz.
Beim Lehmann hätten sie eine Sau gemetzget. Da habe der Störenmetzger auch gefragt: Ist das eine Kuh?
Aber beim Eber in Langnau sei die Kugel nicht durch den Schädel. Und der sei losgerast, mit der Kugel im Kopf. Habe das Seil durchgerissen.

Pferdebeine abhacken und so, das habe Kraft gebraucht. Därme wegräumen und dieses Zeugs habe nicht viel zu tun gegeben.
Aber dann sei wieder andere Ware gekommen. Da habe es geheissen: So, los. Zeig, was du kannst. Zeig, was du für eine Kraft hast!
Damals habe er eine Kraft gehabt. Ja heute noch. Heute habe er noch eine Kraft. Er würde es noch mit manchem Vierzigjährigen aufnehmen.
Und das Essen sei auch gut gewesen. Das sei etwas anderes gewesen als da oben. Im Heim.
Dreimal in der Woche Kuttelsuppe!
Ob sie das hier auch machen würden? Kuttelsuppe.
Wahrscheinlich nicht. So richtig dick. Mit Tomatensosse. Das sei dann etwas Gutes!
Da habe er jeweils mehr als nur einen Teller voll genommen. So mit Kartoffeln und einem Sösselchen daran. Im Wirtshaus würde man dafür acht, neun Franken bezahlen. Ohne weiteres.
Und einen guten Lohn habe er auch gehabt. Hundertfünfzig Franken im Monat. Und wenn er durchhalte, nach zwei Jahren zweihundert, hätten sie gesagt.
Heute sei das ja nichts mehr. Heute würden sie ja soviel als Sitzungsgeld erhalten. In Bern. Im Grossen Rat. Nur dafür, dass sie dasitzen und grosse Reden halten und schwatzen.
Der Verwalter sei ja auch so einer.
Und dann noch einen dreizehnten Monatslohn dazu. Gestern hätten sie es gesagt. Im Fernsehen. In der Tagesschau. Dass sie es beschlossen hätten. Für die Bundesbeamten.
Dabei. Was das denn sei? Ein dreizehnter Monatslohn? Das gebe es ja gar nicht. Einen dreizehnten Monat. Und dann solle es einen dreizehnten Monatslohn geben?
Und er?
Hundertfünfzig Fränkli, wenn er durchhalte.
Aber er habe dann eben nicht mehr durchhalten können.
Einer habe zu ihm gesagt: Du musst aufhören damit. Bluttrinken ist nicht gut für dich.
Dann hätten sie ihn zum Doktor geschickt. Und der habe gesagt: Du hast ja Wasser und Eiter und alles im Blut. In Bern. Im Inselspital.
Anno neununddreissig hätten sie ihm gesagt, er sei unheilbar. Und nun gehe er ins Einundsiebzigste!
Dann sei er zum Schär gegangen. Nach Langnau. Doktor Schär.
Da sage ihm die Frau, die sei ja zuerst in der Insel gewesen, in Bern. Im Inselspital. Als Krankenschwester. Dann sei sie erst die Frau Schär geworden. Sage sie: Seid Ihr nicht der und der?
Sage er: Doch, der bin ich!
Auf alle Fälle: Was er da oben koste, soviel könne er immer noch verdienen.
Der Rüegsegger in Hinterswil habe ihn letzthin auch wieder gefragt, ob er ihm nicht helfen wolle. Zeugs zersägen.
Ja, dafür brauche er, ein halber Tag reiche da nicht. Das alles zersägen. Und das Dach abdecken. Und den Rest der Hütte zerholzen und zerhacken.
Im halben Tag sechs Fränkli. Da habe er im Tag zwölf Fränkli zusammen. Und erst noch das Znüni und das Zvieri dazu.
Wurst und Brot und Senf. Und eine Flasche Bier. Oder Wein.

Nierenkrank. Nierenkrank sei er auch gewesen. Die Nieren hätten nicht mehr gewollt.
Ja. Er müsse dann gelegentlich einmal Schluss machen. Der Bruder habe es auch gemacht. Sich zu Tode gelacht.
Habe einen Unfall gehabt. Sei von einer Leiter gestürzt. Und der Doktor habe ihn auf Rheuma behandelt.
Und einmal habe er gesagt: Ich gehe nicht arbeiten heute. Ich gehe zum Schär. Ich halte es nicht mehr aus.
Und dann sei er nicht mehr gekommen.
Der Moser Kurt, der Polizist von Langnau, vielleicht sei er einem auch bekannt, habe ihn gefunden.
An einem Kirschbaum habe er sich zu Tode gelacht.

Während des Redens hatte der Alte mit seinen auffallend hellen blauen Augen vor sich hin, auf den Tisch und den Wein oder auf den Boden, nach und nach, als die übrigen Gäste das Wirtshaus verlassen hatten, aber auch immer häufiger zu der Serviertochter und der anderen Frau hinüber und zu einem selbst und seiner Schwester herüber geschaut.
Dann hatte ihm die Serviertochter gesagt, es sei nun genug, und sich noch eine Weile mit ihm darüber hin und her unterhalten, ob er in einem Wirtshaus stundenlang solche Sachen erzählen und damit die Gäste belästigen dürfe.